ZIK – Archiv 1989-1999

1989: Die Gründung

Gründungsgesellschafter der ZIK gGmbH waren der Anti-Drogen-Verein, BOA e.V., Berliner Aids Hilfe e.V., Freie Sozialstation Kreuzberg e.V., HIV e.V. und der Verein für Suchtprävention.

Anne Momper engagierte sich von Beginn an als Kuratoriumsvorsitzende für ZIK und machte die erfolgreiche Gründung möglich.

Durch ihre Initiative gegen Wohnungslosigkeit von Menschen mit HIV und Aids wurde eine beispielhafte Wohnungsakquise ermöglicht.

Ein erstes Zuhause

Bereits in diesem Jahr erwarb der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin für ZIK das Wohnhaus Pankstraße.

Es musste in den Folgejahren für die Nutzung als Zuhause für Menschen mit HIV und Aids zunächst modernisiert werden.

1993: Erste Wohnprojekte

Wichtigstes Ereignis dieses Jahres war die Eröffnung des ersten Wohnprojektes in der Dessauerstraße.

Es startete mit acht Wohnplätzen in enger Kooperation mit einem Pflegedienst, dem späteren HIV e.V.

Die Einrichtung galt als bundesweit modellhaft.

1994: wohnen in der Gemeinschaft

Das neue Wohnprojekt in der Pankstraße konnte eröffnet werden.

Damals konnten 16 wohnungslose Menschen mit HIV und Aids aufgenommen werden. ZIK garantierte den Bewohnern die Vermittlung einer eigenen Wohnung nach 6 bis 18 Monaten, bei Bedarf mit Betreuung.

Wir setzten damit neue Akzente in der Versorgung von Menschen mit Drogenproblemen und helfen seither entscheidend, Betroffene im Substitutionsprogramm zu integrieren.

Sicherheit der Finanzierung

Das Projekt Dessauer Straße erhielt in diesem Jahr eine Entgeltfinanzierung gem. § 39 in Verbindung mit § 93 BSHG (heute § 53 i. V. m. § 75 SGB XII) und wurde damit rechtlich abgesichert.

Der Landesverband der Aids-Selbsthilfegruppen erreichte eine längerfristige Vertragsfinanzierung für die Aids-Projekte. Damit war auch ein Teil der ZIK-Vorhaben trotz der angespannten Haushaltslage des Landes Berlin finanziell gesichert.

ZIK versorgte bis dahin bereits 215 Menschen mit HIV und Aids mit Wohnraum.

1996: Schenkung eines Hauses

Henri Hümpel schenkte der ZIK ein Wohnhaus in der Reichenberger Straße.

Es erhielt auf Wunsch des Stifters den Namen „Philadelphia“, nach dem gleichnamigen Film von Jonathan Demme mit Tom Hanks und Denzel Washington, der in diesem Jahr in Deutschland erschien.

Die 16 Wohnungen in diesem Haus konnten seither stets mit schwulen, von HIV betroffenen Männern belegt werden.

1997: Stiftungsgründung

Heinz Bergner und Hans Stoermer nahmen in diesem Jahr Kontakt zu ZIK auf. Sie gründeten zur Förderung von ZIK die Stiftung „Leben mit HIV und Aids“.

Hans Stoermer (li.), Vorstandsmitglied der Stiftung Leben mit HIV und Aids sowie Beiratsmitglied der ZIK gGmbH, ermöglichte mit dieser Stiftungsgründung maßgeblich das Wachstum von ZIK.

Er steht dem inzwischen stark gewachsenen Unternehmen bis heute mit Rat und Tat bei.

Heinz Bergner verstarb noch im Gründungsjahr an den Folgen seiner Aids-Erkrankung.

Die Stiftungsgründung ermöglichte auch den Abschluss des Mietvertrages für die Räume der ZIK-Geschäftsstelle in der Perleberger Str. 27 .

Rechtliche Absicherung, mehr Plätze

Die psychosoziale Betreuung in der Reichenberger Str. 130 mit 45 Plätzen wurde zum 1. Mai 1997 auf Entgeltfinanzierung gem. §39 BSHG umgestellt und damit rechtlich abgesichert.

Mit der Einführung der Kombinationstherapie änderte sich auch unsere Aufgabenstellung, denn durch die verlängerte Lebenserwartung wurden immer mehr Betreuungsplätze benötigt.

Das Konzept des Hospizes Reichenberger Straße 129 wurde daher zum Wohnprojekt gem. §39 BSHG umgearbeitet. Dies ermöglichte uns eine angemessene Pflege und die Sterbebegleitung.

1998: Neue Geschäftsstelle

Die Geschäftsstelle zog in die Perleberger Str. 27 um und konnte dadurch in der Reichenberger Straße mehr Raum für Betreuungsarbeit schaffen.

Im Dezember konnte auch im Haus der Geschäftsstelle ein Projekt des Betreuten Einzelwohnens starten.

Ausbau in der Reichenberger Straße

Innerhalb von zwei Wochen nach Antragstellung erhielten wir die Baugenehmigung für die Reichenberger Straße 129 und die Förderung als sozialer Wohnungsbau.

Baubeginn des Wohnprojektes war am 4. Juni. Das neue Konzept war bundesweit modellhaft.

Durch das Engagement von Hubert Jenner wurde das Bauvorhaben abgesichert. Er kaufte das Baugrundstück und den Altbau Reichenberger Straße 130 und stellte Eigenmittel in Höhe von mehreren Millionen DM zur Realisierung zur Verfügung.

1999: „R129“ eröffnet

Für über 8 Millionen DM ist mit dem Projekt Reichenberger Straße 129 ein bundesweit einmaliges Wohnprojekt entstanden.

Zusätzlich zur staatlichen Förderung mussten über 50 % der Kosten privat erbracht werden.

Außer den Hauptsponsoren – der Stiftung von Heinz Bergner und Hans Stoermer und der Förderung durch Hubert Jenner – beteiligten sich die Deutsche Aids Stiftung und die ARD-Fernsehlotterie sowie eine Vielzahl an Einzelspender*innen an der Ermöglichung des Projektes.

Einen Monat vor Eröffnung des Hauses Reichenberger Str. 129 erhielten wir die finanzielle Zusage für die Projektbetreibung und die Innenausstattung des Hauses.

Am Eröffnungstag, dem 5. Juli 1999, wurde auch die Orangerie im Erdgeschoss des Hauses Reichenberger Str. 129 eingeweiht.

Das Projekt „Betreutes Einzelwohnen“ wurde in diesem Jahr auf 71 Plätze erweitert und erhielt als erste Einrichtung dieser Art in Berlin ein abgestuftes Hilfesystem.

ZIK betreibt damit seither als erste Einrichtung ein über die Bundesrepublik hinaus einzigartiges Versorgungssystem für Menschen mit HIV und Aids.

Bilanz nach zehn Jahren

Beim zehnjährigen Bestehen hielt ZIK 162 Betreuungsplätze in den verschiedenen Wohnprojekten bereit und hatte bereits mehr als 2.000 Menschen mit HIV und Aids mit Wohnraum versorgt, davon 267 in diesem Jahr.

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